Quotenvorrecht

Wenn der Versicherer im Zuge einer Schadenabwicklung Ansprüche des Versicherungsnehmers befriedigt, gehen dessen Schadenersatzansprüche auf den Versicherer gem. §67 VersVG über. Es besteht eine Regressmöglichkeit des Versicherers gegenüber einem Schadenverursacher.

Das Quotenvorrecht gilt bei einem solchen Übergang von Schadenersatzansprüchen auf den Versicherer und regelt, dass ein solcher Forderungsübergang nicht zum Nachteil des Versicherungsnehmers gemacht werden darf.
Eine Forderung des Versicherungsnehmers hat Vorrang gegenüber jener des Versicherers.

Wird ein Schaden des Versicherungsnehmers nur teilweise durch die Versicherungsleistung des Versicherers gedeckt, behält sich der Versicherungsnehmer trotz des Forderungsübergangs an den Versicherer das Recht seine restliche Ersatzforderung einzuklagen.

Damit das Quotenvorrecht relevant wird, muss es also einen schädigenden Dritten geben und einen Schaden der nicht zur Gänze durch den Versicherer gedeckt ist.

Beispiel:
Neubauwert eines Gebäudes … € 750.000
Zeitwert des Gebäudes ………… € 350.000
Versicherungssumme …………. € 500.000

Schädiger verursacht einen Totalschaden im Ausmaß von € 750.000.

Ablauf:
1. Versicherer leistet lt. Vertrag € 500.000 an den VN
2. Ersatzforderung des VN idHv. € 250.000 gegenüber dem Schädiger
3. Versicherer regressiert € 100.000 von dem Schädiger 

Der Versicherer kann nur € 100.000 regressieren, da der Versicherungsnehmer das Vorrecht hat beim Schädiger seine Ersatzforderung zuerst geltend zu machen.

Gut zu wissen!

Wäre der Versicherungsnehmer nicht versichert, kann könnte er nur den Zeitwert einer beschädigten Sache von einem Schädiger einklagen. Aus diesem Grund ist die maximale Regressmöglichkeit des Versicherers mit dem Zeitwert der Sache begrenzt.

Hat der Versicherungsnehmer auch noch offene Forderungen, kann der Versicherer nur die Differenz auf den Zeitwert regressieren.

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